Rosso News - Wüste Beschimpfungen

Für das neunte Rennen der Challenger Series II flog das Rosso Duo Woulley und Craigo an den persischen Golf ins Königreich von Bahrain. Der Einleitungssatz war gelogen, als ob das Team die finanziellen Mittel für Flüge hätte. Für das neunte Rennen der Challenger Series II ritten Woulley und Craigo auf Kamelen in die Wüste von Sakhir. Für das Rennen stellte man ihnen aber wieder die allseits bekannten blauen Boliden mit den Honda-Hybrids zur Verfügung.


Im Qualifying sind Craigo und Woulley aber erst einmal baden gegangen. Am Ende sprangen nur die Plätze acht und zehn heraus. „Die zwölf schnellsten Fahrer trennten gerade mal eine Sekunde, was für das Rennen maximale Konzentration bedeutete, weil alles enger war als eine arabische Teenagerin in ihrer Hochzeitsnacht.“, beschrieb Craigo seine Ausgangslage.


In der Startphase konnten beide Piloten ihre sonstige First-Lap-Stärke nicht ausspielen. Craigo kam gut von der Stelle, musste aber in Kurve eins einen querstehenden Exhale wieder gerade biegen, der vom Sauber-Debütant Bonediesel weggeschoben wurde. ,,Ich hätte locker zwei drei Positionen gutmachen können. Wenn die Sauber Fahrer sich mal ihrem Namen entsprechend auf der Strecke verhalten könnten, wäre das ein Segen für die ganze Liga.“, schien Craigo nach dem Vorfall in China mit Lamotone wieder genervt zu sein vom Schweizer Team. Durch das Gemenge vor ihm, steckte auch bei Woulley noch etwas Sand im Getriebe: „Obwohl die Strecke eher ein Parkplatz ist, war ich eingeklemmt. Ich habe vergebens auf den Flöten-Fakir gewartet, der die Schlange rauslässt.“ Das sollte dann jemand anderes machen. Aber dazu vielleicht später mehr.


Bis Runde sechs fuhr Craigo dicht hinter Exhale und Icecuber. Beim Ausgang von Kurve drei rutschte er weg und fing sein Auto kurz vorm Einschlag in die Wand noch ab. ,,Ich habe gemerkt, dass ich gut aufhole auf die zwei. In solchen Momenten geh ich allerdings zu wild mit dem Gas um und rutsch in der Dirty Air weg. Da hatte ich einfach einen Sandfuß.“, beschreibt Craigo die Situation. Er fiel auf P14 zurück und setzte sein Rennen ohne Schäden fort. Das Wetter derweil blieb aller Erwartungen nach trocken: ,,Das einzige, was an dem Wochenende geregnet hat, waren big Lockups in Kurve 10.“, sah Craigo das arabische Klima von fahrerischer Seite.


Ein paar DNFs und ein spektakuläres Überholmanöver ohne blockierende Räder in Kurve eins gegen Iceman schoben Craigo auf den elften Rang vor. Mit einem Abstand von 5,5 Sekunden auf den zehnt platzierten Bonediesel mit noch zehn zu fahrenden Runden schienen die Punkte außer Reichweite: ,,Ich hab manchmal aufgeholt und manchmal wieder verloren. Fünf Runden vor Schluss war ich aber auf einmal auf zwei Sekunden dran. Das führe ich auf mein nachhaltiges Reifen- und ERS Management zurück.“, analysiert Craigo mit stolzer Miene.


Zwei Runden vor Schluss war Craigo innerhalb des DRS Fensters vom Sauber Piloten, dann kam der schockierende Funkspruch vom Ingenieur: ,,We've got a DRS failure, DRS failure. No DRS available for you, we quickly try to fix it, I'm sorry.“ Craigo hatte dafür wenig Verständnis. Noch am Funk gab es wüste Beschimpfungen: ,,Ich habe 54 Runden dieses scheiß dämliche rennmanipulierende System nicht gebraucht und jetzt wo es wichtig wäre, funktioniert es nicht. Da hat der Woulley locker dran geschraubt.“ Es war die letzte Runde des Grand Prixs. Craigo fuhr auf 0,2 Sekunden ran, konnte auf den Geraden allerdings nicht genug ran kommen. Auch in der letzten Kurve behielt Bonediesel die Nase vorne. Der Weg zur Zielflagge ist dennoch ein weiter und so fuhr Craigo mit aller Hoffnung im Windschatten des Saubers, dem kurz vor Zieleinfahrt der Sprit ausging. ,,Ich hatte nicht damit gerechnet und musste noch ruckartig aus dem Windschatten ziehen. Dann habe ich gesehen, Platz 10 mit 0,058 Sekunden vor Bonediesel. Nach meinem emotionalen Ausbruch im Funk wurde Woulley vom Teamarzt auf Tinitus diagnostiziert. Das tut mir irgendwie nicht leid.“, erzählte Craigo nach dem Rennen. Dem Vernehmen nach habe er im Parc fermé das Lenkrad seines Boliden beim Aussteigen unglücklich abgerissen. Allerdings weder mit Armen noch Beinen…


Übrigens sah sich auch Woulley auf einer Aufholjagd. Nach einer Kollision mit Iceman musste er frühzeitig an die Box: „Das waren lange Diskussionen. Nach den Erfahrungen der letzten Rennen standen für Craigo mehr Flügel bereit als in einem Klavier-Verkaufslager. Meiner musste jedoch erst mit einem Bob-Der-Baumeister-Legoset zusammengefrickelt werden.“ Bis auf Platz 13 war er zurückgefallen, danach machte er allerdings Jagd auf die Konkurrenten vor ihm: „Ich hatte Anfangs keine Pace, weil ich dachte, dass die Reifen in der Wüstenhitze schmelzen wie ein Marshmallow. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass wir da diesmal tatsächlich so eine Art Reifen aufgeschnallt hatten.“ Auch er sicherte sich seinen sechsten Platz erst mit einem Überholmanöver in der letzten Runde. Der Ausbruch am Teamfunk blieb jedoch aus, wie Woulley berichtet: „Für mich ist es normal, Konkurrenten zu überholen. Da muss man nicht gleich so ein Fass aufmachen. Ich war ohnehin froh, dass ich nicht aufs Podium musste. Dann konnte ich mich wenigstens gleich zusaufen und brauchte keine Rosenwasserplörre herumspritzen.“ Craigo soll dies dennoch getan haben, wenn auch nicht mit Rosenwasser.


Franz Tost meldete sich nach dem Rennen in gespaltenem Gemüt: ,,Also der Woulley ist heute wieder phänomenal gefahren. Vier gewonnene Plätze und hartes Racing, so will ich das sehen. Wenn Craigo es mal schafft, in einem Rennen schnell zu sein und dabei weder Flügel noch sich selbst zu verlieren, sehe ich da großes Konstrukteurspotenzial.“


In einer Woche fährt die Challenger Series II auf dem historischem Circuit de Spa-Franchorchamps. Die auch als Ardennen-Achterbahn bekannte Strecke gehört zu Craigos Favoriten: ,,Ich freue mich unheimlich auf Belgien. Ich weiß nicht, ob ich schnell bin, das wird sich die Woche im Simulator herausfinden. Ich habe Lust und sehe die nächste Chance, meinen Kollegen im Rennen zu schlagen. Im Qualifying hat es ja schon öfter mal funktioniert.“ Auch Woulley strotzt schon nur so vor Vorfreude: „In Belgien gibt es einfach alles, was das Rennfahrer-Herz begehrt. Pommes, Pralinen, Kirschbier. Der Wahnsinn!“

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