Rosso News - Auf zweierlei Ausscheiden folgte katalanischer Stierkampf

Der achte Lauf der Challenger Series II auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya hätte nicht chaotischer, trauriger und fröhlicher sein können als ein teurer Tapas Abend im guten Lokal auf Las Ramblas.


Zumindest, wenn man dort hört, dass es nicht zum 17. Mal am dritten Tag Paella gibt, dafür jedoch mit Broccoli gefüllten Blumenkohl, der dann aber ausverkauft ist und man sich nur noch volllaufen lässt. So ähnlich lief das Rennen von CraigoZ1. Nach einem DNF während der Safety Car Phase – das hat er tatsächlich geschafft – klopfte er bei Fortuna an der Tür, befriedigte sie französisch auf spanischem Grund und ruf somit ein Rennneustart hervor, bei dem er den sechsten Platz, und damit sein bestes Saisonergebnis, einfahren konnte.


Woulley hingegen musste zuschauen. Bei der 15. Paella erlitt er anscheinend eine Lebensmittelvergiftung. Seine letzten bekannten Worte vor dem frühzeitigen Ausscheiden vor dem Renntag waren: „Diese flockenartigen Kräuter auf den Shrimps sind besonders lecker.“ Danach war er erst einmal nicht gesehen, weil er die Folgestunden nach dem Essen ein kleines Keramikzimmer bezogen hatte, in dem er nicht mehr brauchte als vier Wände, einen Thron und ungefähr 150 Rollen Toilettenpapier. „Ich habe an einem Tag fast so viele Körperflüssigkeiten verloren wie Craigo in seinem gesamten 14. Lebensjahr.“, stellte er am Abend nach dem Rennen fest. Die spanische Polizei fand später reihenweise abgelaufene Shrimps-Packungen im Restaurantmüll, datiert auf das Jahr 2016. Es ist unklar, ob die Gastronomie Schuld war oder jemand Fremdes, bei dem man nie erraten könnte, wer es war.


CraigoZ1, auf jeden Fall, sah man an diesem Rennwochenende mit einem solch erheiterten Gemüt wie noch nie. Mit breiter Brust schlappte er durchs Paddock und war ausnahmsweise voller Euphorie gesprengt. ,,Spanien ist ein toller Ort. Ich mag die Strecke, ich mag das Essen und die Frauen sind hier mindestens so heiß wie Kscboys Hinterreifen in Runde vier.“, zeigte sich der Toro-Rosso-Mann gut gelaunt. Die Reporter waren sichtlich überrascht über die positive Stimmung beim allwöchentlichen Dauergriesgram und baten um Aufklärung. ,,Ich war die Woche sogar in Maranello bei Ferrari im Simulator. Ich habe dort mit dem Chefingenieur gearbeitet. Ich konnte eine Menge lernen und fühle mich vorbereitet. Außerdem herrscht durch Woulleys Abwesenheit eine bullenstarke Stimmung in der Garage.“, erklärte Craigo, der seinen Wagen im Quali auf Platz fünf stellte.


Beim Start konnte er direkt einen Platz gutmachen, ehe er in Kurve eins zu früh einlenkte und sich den Flügel zerschrubbte. Ein Boxenstop in Runde eins und eine anschließende Aufholjagd auf den Mediums folgte. ,,Auf der härtesten Mischung hat sich das Auto anfangs wie eine Biergarnitur mit vier Rädern angefühlt. Der Pneu war da noch mindestens so hart wie ein Arbeitstag in Stalingrad. Aber hey, die Leute sagen ja immer, mit dem Alter kommt die Reife. Bei mir gilt: Mit dem Alter kommt der Reifen. Nach ein paar Runden hat der super funktioniert und ich war auf einmal auf P5.“


Nach einem Renndrittel kam das Safety Car raus, das sich als suboptimal für die Rosso Strategen entpuppte. ,,Alle konnten einen frischen Satz Mediums aufziehen, wir hatten keinen übrig. Wir haben uns entschieden, ihn für Softs reinzuholen.“, erklärt Mattia Spini. Craigo fiel auf P8 zurück. Dann geschah etwas skurriles. Auf Start-Ziel fuhr Craigo in Icecuber rein und zerfetzte seine Radaufhängung: ,,Mir wurde gesagt, das Safety Car käme rein. Der Bernd wollte aber anscheinend noch eine Lila Rundenzeit setzen und blieb draußen. Ich war dann auf Vollgas, mein Auto wurde gedrosselt. Dann war es allerdings nicht mehr gedrosselt und ich bin in Icecuber rein. Der Lächerlichkeit dieser Szene zuschulden war ich nicht mal wirklich enttäuscht.“, beschreibt Craigo die Situation.


Nach dem Safety-Car-Restart entschied sich die Serienleitung für einen Rennneustart. Das war Craigos Hoffnung: ,,Ich war zu dem Zeitpunkt schon Helbig und Kish in der Kommentatorenkabine besuchen. Dann habe ich die fröhliche Nachricht erfahren und bin direkt zu den Streckenposten gerannt. Ein Glück habe ich in meiner Jugend einen Kranführerschein gemacht. Ich hab den Marshall vom Sitz gerissen und meine blaue Göttin selbst zur Garage gebracht, damit die Mechaniker das Ding noch fix machen bis Rennstart.“, erzählt Craigo. ,,Damals war ich auch bekannt als CrainführerZ1.“ Eine riesige Pointe, für die er dann auch Applaus von den Journalisten bekommen habe. Zeitzeugen berichten von synchronem Stirnklatschen der Reporter.


Ein erneuter Rennstart, diesmal halbe Renndistanz. Craigo erwischte einen schlechten Start und musste sich gegen Exhale geschlagen geben. Zwei Undercutversuche während des Rennens reichten nicht, um am Mercedes-Debütanten vorbei zukommen. In Runde 28 fuhr der Toro-Rosso-Pilot auf eine Vierergruppe auf, die um das Podium kämpfte. Force Indias Pro, Micha, Exhale und Kscboy allesamt duellierten sich beim Ausgang in Kurve zwei. Nicht mit der langsamen Geschwindigkeit rechnend fuhr der Rosso in Exhale hinein und beschädigte seinen Flügel. Ein erneuter Boxenstop ließ Craigo auf P9 zurück, allerdings kämpfte er sich auf frischen Supersofts bis Rennende noch auf Platz sieben vor und wurde nach einer Strafe Exhale's auf Position sechs gewertet. ,,Das Rennen war echt top, viele Duelle, viel Racing. Ein perfektes Auto. Schade um das Podium. Das Momentum werde ich nach Bahrain mitnehmen und dort hoffentlich weitermachen, wo ich aufgehört habe. Ich denke, dass Woulley mehr als motiviert in die Wüste anreisen wird, wenn er sieht, dass ich das beste Rennen eines Toro-Rosso-Fahrers aller Zeiten gefahren bin“, resümiert Craigo.


Ein sichtlich blasser und Kohletabletten mampfender Woulley hatte sich derweil das Rennen aus seinem Keramikzimmer angesehen. Er konnte über dieses Urteil nur müde lächeln: „Er hat sich doch vor Glück noch mehr eingeschissen, als i… was weiß ich was.“ Woulley-Ersatz Buni schaffte es jedenfalls nicht, zusätzliche Punkte für die Faenzianer einzusammeln: „Bei ihm hat man die wahre Performance dieses Autos gesehen. Was ich da jede Woche schaffe, ist der Wahnsinn. Hoffentlich registriert unsere Führung das mal.“


Nächste Woche trifft sich die Challenger Series II auf dem Bahrain International Circuit in Sakhir. Eine Strecke, die für Craigo eine Herausforderung darstellt. ,,Mein erster Sieg war in Bahrain. Das ist allerdings schon lange her. Damals mochte ich die Strecke. Mittlerweile finde ich das Kurvenlayout blöd. Ich werde sehen, was da abgeht, zum Glück ist Woulley dann wieder für Punkte zuständig.“

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