Rosso News - Der Eine brennt, der andere flennt

Am vergangenen Dienstag in Aserbaidschan erzielte Toro Rosso mit dem zweitplatzierten Woulley das beste Saisonergebnis. Craigo kratzte mit dem elften Rang an den Punkten.


Nachdem Funkgate in Australien unterzeichneten beide Piloten für den Grand Prix im Land des Feuers ein Gentlemens Halt-die-Fresse-wenn-ich-fahre Agreement, was die Kommunikation in den Sessions drastisch reduzieren sollte. Craigo hatte sich zuvor beschwert vom Teamkollegen abgelenkt worden zu sein. Wie sehr dieser Vertrag fruchtete, zeigte sich bei Craigo in der ersten Qualirunde. Er verlor Grip in Kurve zwei und schlug in die Wand ein. Somit startete er als Letzter. ,,Also, allein der Gedanke, dass Woulley was sagen könnte, lenkt mich schon ab. Mein Fehler geht zu 100% auf seine Kappe. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Da wäre heute ein Streckenrekord drin gewesen." Woulley, der sich auf Rang elf qualifizieren konnte, reagiert auf Nachfragen wegen seines Teamkollegen genervt: „Streckenrekord? Für die langsamste Runde dort?“


Die Startphase verlief positiv, beide fuhren nach Runde Eins auf den Positionen Fünf und Acht. Craigo konnte LamoTone überholen und zwang sich selber dann in einen Fehler. ,,Ich konnte Lamo nach Start Ziel in einen Fehler drängen. Leider habe ich mich dann gefreut und vergessen, dass Kurve Zwei zeitnah naht. Habe mich verbremst und den Flügel abgeknabbert. Woulley hatte zu dem Zeitpunkt ein bisschen hart geatmet, dementsprechend war meine Konzentration komplett weg." Reaktion Woulley: „Ja, das ist meine Schuld. Ich bin es wahrscheinlich auch Schuld, wenn er beim Wichsen vom Bett fällt und sich die Nase bricht.“


Später überholten die nach hinten gefallenen McLaren von Christopher und VeniVidiVici sowie Williams-Ersatzpilot Helbig die Nummer Zwei von Toro Rosso. ,,Ich muss glaub eingestehen, dass ich heute langsam war. Zwischen meiner Bestzeit und der von Rennsieger kscboy liegen vier Sekunden. Im Rennsport kann man da schon von einer Differenz sprechen." Franz Tost bestätigt nach dem Rennen: ,,Die Woche war er nicht im Simulator. Set-up Arbeit wurde auch keine geleistet. Ironischerweise war es bei Woulley nicht anders und der fährt uns hier auf's Podium. Zumindest entpuppt sich eine Fahrerverpflichtung diese Saison als richtig.“


Sein erstes Podium der Saison wusste dann auch Woulley ordentlich zu feiern - mit einem Williams-Fahrer, dessen Name wegen Unwichtigkeit bereits in Vergessenheit geraten ist, auf dessen Einweihungsparty. Zuvor diktierte er noch in die Mikrofone: „Ich bin das wohl beste Rennen eines Toro-Rosso-Fahrers aller Zeiten gefahren. Ich habe keine Fehler gemacht und das Maximum aus dem Rennen herausgeholt.“ Schlüssel zum Erfolg war die Ein-Stopp-Strategie, bei der er 16 Runden auf Ultra und 35 Runden auf Soft unterwegs war. „Das war von vornherein so geplant. Es war auf keinen Fall so, dass ich gefahren bin und dann dachte: ,Ach guck mal, das geht! Mal gucken, was noch geht! Oh, ich könnte Dritter werden, jetzt ziehe ich durch!’ So war das echt nicht. Wirklich nicht. Das war eine geile Idee von mir. Vorher schon. Also echt jetzt.“


Ganz anders das Rennresümee von Craigo: ,,Ich hatte kein Vertrauen in mich und das Auto, ich wollte einfach heile ankommen. Das habe ich erreicht. Trotzdem sollte Ankommen nicht das Ziel sein, sondern endlich mal den Teamkollegen zu schlagen und Punkte zu sammeln", sagte er mit motivierender Note. Auch Woulley sprach seinem Teamkollegen Mut zu: „Meine für den Erfolg wichtigsten Eigenschaften sind Bescheidenheit und Selbstkritik. Das sollte er sich mal von mir abschauen. Manche legen das zwar als Arroganz aus, aber das habe ich gar nicht nötig.“


Das nächste Rennen wird auf dem Shanghai International Circuit in China ausgetragen. Die Charakteristik könnte kaum unterschiedlicher zu Aserbaidschan sein. Nach sechs Rennen befindet sich Toro Rosso auf Platz Drei der Konstrukteurswertung. Wann Craigo anfängt dazu beizutragen, bleibt vorab eine unbeantwortbare Frage.

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